Vergangene Woche bin ich mal wieder 25 Kilometer gegangen. Hat meinen Füßen und Beinen nicht so gefallen. Hat mich etwa der Altersschub erreicht? Oder für alle Nicht-Insider: Ich hatte meinen Bildungsurlaub an der VHS Darmstadt. Da parke ich dann immer bei meinem Arbeitgeber und laufe die 2,5 km in die Innenstadt und zurück, um mir die Parkgebühren zu sparen.
Besucht habe ich den Kurs “KI-Tools clever im Beruf einsetzen Chancen und Herausforderungen von KI für die Gesellschaft”. Gebucht hatte ich ihn schon im Januar. Also eine Ewigkeit bei dem rasanten Tempo, das in dem Bereich gerade vorgelegt wird. Aber gerade deshalb hatte ich die Hoffnung, dass ich mit dem Bildungsurlaub zumindest ein bisschen aufholen kann. Nur weil ich ein bisschen privat mit Chatty und Claude rummache und wir auf der Arbeit “motiviert” werden, Copilot und Chatty in unseren Arbeitsalltag zu integrieren, heißt das ja noch nicht, dass ich wirklich Ahnung von dem ganzen Kram habe.
Chatten mit Chatty
Allerdings muss ich sagen, dass sich der Informationsgehalt der fünf Tage zumindest für mich in Grenzen hielt. Es klingt etwas hart, aber ich glaube, so ein Kurs braucht dann doch einen etwas fitteren/agileren Trainer, der KI auch wirklich intensiv und breitgefächert nutzt. Quasi jemanden, der an vorderster Front steht und reale Anwendungsfälle mitbringt. Überrascht zu sein, dass ein Anbieter jetzt anders funktioniert oder in der freien Version plötzlich Features fehlen, zeugt leider nicht gerade von guter Vorbereitung. Und zu erwarten, dass die größtenteils unerfahrenen Teilnehmer ad hoc einen Anwendungsfall aus ihrem Leben parat haben, ist halt auch nur bedingt erfolgreich. Ich habe mich in meiner Not beispielsweise an Spaghetti Bolognese gehalten und unter anderem einen KI-Agenten gebaut, der mir bei der Vorbereitung (Erinnerung, Einkaufsliste) und Umsetzung (Rezept) half. Bezweifle irgendwie, dass das ein wirklich gutes Beispiel für seine Fähigkeiten war
. Da hätte ich mir wesentlich mehr Input vom Trainer gewünscht, der uns tatsächlich nachvollziehbare Beispiele für den Einsatz der jeweiligen KI-Modelle zeigt.
Gleichzeitig fehlte es in Sachen Theorie für mich ebenfalls irgendwie an Mehrwert. Zwar standen auf dem Lehrplan Grundlagen wie “Generative KI verstehen” oder gesellschaftlich relevante Themen wie “Rechtliche Rahmenbedingungen & ethische Herausforderungen bei der Nutzung KI-generierter Bilder”. Aber so richtig Fleisch am Knochen war da nicht. Also die Themen wurden sehr oberflächlich behandelt und gingen nicht sonderlich über das hinaus, was man z.B. auch in der Tagesschau sehen würde. Da erwarte ich vor allem bei einem Bildungsurlaub einfach mehr. Da kann es nämlich wahrlich nicht an fehlender Zeit liegen, um die Themen ausführlich zu behandeln.
Entsprechend muss ich ehrlich zugeben, dass ich mich während eines Großteils der Veranstaltung ziemlich gelangweilt habe bzw. mit Chatty zukünftige Einträge vorbereitete. Beispielsweise habe ich mit seiner Hilfe die nächsten Titel für Meine Lieblingsspiele ermittelt. Dafür hätte ich aber wahrlich keine 327 € ausgeben müssen.
Ich bin ein Prompter!
Doch ich will nicht nur jammern. Ein paar für mich neue Sachen gab es dann doch. Allen voran natürlich das Thema “Prompt” bzw. “Prompt Engineering”. Das haben wir tatsächlich etwas intensiver gemacht, da es schließlich (aktuell noch) ein extrem wichtiger Bestandteil im Umgang mit KI ist. So haben wir beispielsweise zwei Prompt-Frameworks kennengelernt:
- RICE – Role, Instruction, Context, Examples
- CRAFT – Context, Role, Action, Format, Tone/Target Audience
Beide Frameworks sollen euch dabei helfen, Prompts so zu formulieren, dass die KI bessere Ergebnisse liefert. RICE benutzt man wohl vornehmlich, um mit Informationen zu interagieren. Also ihr ladet z.B. ein paar Dokumente hoch und wertet diese dann mit der KI aus. CRAFT hingegen geht mehr in die Richtung Informationen zielgruppengerecht aufzubereiten. Und ja, man erhält tatsächlich spürbar andere Ergebnisse, als wenn man einfach nur “Ey Babbsack, mach‘ mal ne Zielgruppenanalyse für den Text da.” eintippt.
Allerdings sind die Prompt-Ingenieure auch schon wieder arbeitslos, denn dafür gibt es mittlerweile ebenfalls KI. Wir haben im Kurs dahingehend den AI Prompt Creator genutzt. Aber es stehen noch viele weitere bereit, die aus euren “einfachen” Sätzen dann Prompts auf Basis der besagten Frameworks ausspucken können. Ein konkretes Beispiel:
Mein Input:
Ich möchte eine Spaghetti Bolognese kochen.
Output des Generators:
ChatGPT – Spaghetti Bolognese Meisterrezept
Du möchtest ein klassisches italienisches Gericht zubereiten, das nicht nur lecker ist, sondern auch ein Familienliebling sein kann. Spaghetti Bolognese vereint einfache Zutaten mit intensiven Aromen und eignet sich perfekt für ein gemütliches Abendessen.
Agiere in der Rolle eines erfahrenen Kochs mit umfangreicher Erfahrung in der italienischen Küche, der gerne Tipps und Tricks teilt. Du bist geduldig, erklärst die Schritte detailliert und gibst Ratschläge zur Auswahl der besten Zutaten und Küchentechniken.
Die Zielgruppe sind Hobbyköche und Essensliebhaber, die lernen möchten, wie man ein authentisches Spaghetti Bolognese zubereitet, unabhängig von ihrem Kochniveau.
Erkläre mir Schritt für Schritt, wie ich eine köstliche Spaghetti Bolognese zubereiten kann. Beginne mit der Zutatenliste, gefolgt von den einzelnen Zubereitungsschritten. Vergiss nicht, auch Tipps zur Variierung des Rezepts und zur Harmonisierung mit Beilagen oder Weinen zu geben.
Die Ausgabe sollte in Form eines strukturierten Fließtextes erfolgen, der klar und einfach zu folgen ist.
Und ja, Chatty spuckt bei beiden Prompts unterschiedliche Ergebnisse aus. Zwar bekommt ihr jeweils ein Rezept, aber die Qualität des Ergebnisses und die dazugehörigen Erklärungen sind beim ausführlichen Prompt definitiv besser. Vor allem der KI mitzugeben, aus welcher Sichtweise sie antworten soll, ist scheinbar echt wichtig.
Passend dazu haben wir gelernt, dass viele KI-Modelle auf xml-Tags reagieren. Das ist hilfreich, um zu verhindern, dass sie sich mitunter selbst verwirren. So lassen sich die Informationen im Prompt klar strukturieren. Beispielsweise trenne ich mit <instruction>Inhalt</instruction> bzw. <context>Inhalt</context> die eigentliche Aufgabe von den Quellinformationen. Und dass es Kurzcodes gibt, wusste ich ebenfalls vorher nicht, auch wenn es naheliegend ist. Also wenn ich Chatty z.B. einen Text gebe und “ELI5” dranschreibe, dann erklärt er mir den Inhalt, als wäre ich ein Fünfjähriger. Oder mit “AUDIENCE [ZIELGRUPPE]” fordere ich ihn auf den Text entsprechend anzupassen ohne dass ich dafür einen vollständigen Prompt ausformulieren muss. Sehr praktisch. Allerdings: Auch hier muss man beachten, ob man den Kurzbefehl an den Anfang oder das Ende des Prompts schreibt. Schon irgendwie sehr empfindlich diese KIs. Ich dachte, die wären so total intelligent
.
Haufenweise Tools
Neben dem Prompting war ein zweiter großer Punkt auf der Tagesordnung das Kennenlernen der vielen verschiedenen KIs und dazugehörigen Tools dort draußen in den Weiten des Internets. Ich habe mir wahrlich nicht alle notiert, die wir angerissen haben. Aber am interessantesten klangen die nachfolgenden. Achtung: Die Liste ist mit Stand 25.10.2026. Keine Garantie, dass die Seiten nächste Woche überhaupt noch existieren.
- Merlin – Statt für jedes KI-Modell einzeln zu bezahlen, holt ihr euch bei Merlin ein Abo und habt dann je nach Tarif Zugriff auf alle und seid somit theoretisch billiger unterwegs – zumindest so das Versprechen.
- Wispr Flow – Erinnert ihr euch noch an Dragon NaturallySpeaking? Das war zu Urzeiten DIE ultimative Spracherkennungssoftware. Wispr Flow macht erstmal das gleiche, also es wandelt eure Sprache in Text um, soll aber qualitativ wesentlich besser sein. Beispielsweise korrigiert er auch gleich eure Sätze, entfernt Füllwörter und setzt sogar automatisch Satzzeichen!
- ElevenLabs – Wispr Flow nur umgekehrt. Ihr lasst euren Text von einer KI-Stimme sprechen.
- descript – Ein Videoeditor mit einem Twist: Wenn ihr wollt, könnt ihr komplett über Prompts die Bearbeitung vornehmen. Die KI übernimmt die eigentliche Arbeit für euch.
- HeyGen – Erstellt komplette Videos für euch. Der Witz: Er nimmt euch dazu. Ihr erstellt euch quasi einen digitalen Zwilling, der dann in den Videos auftritt.
- Napkin – Ihr gebt ihm einen Text und er macht visuelle Informationen daraus (Mindmaps, Diagramme, Zeichnungen). Eine echt coole Sache, muss ich sagen.
- Rytr – Ihr habt zu viele Bekanntschaften und könnt den Überblick nicht mehr behalten? Dann ist Rytr der richtige für euch. Quasi ein Tool, mit dem ihr Kontakte managt, aber eben mehr als nur Telefonnummer und Adresse.
- SaaSHub – Eine Datenbank nicht nur für KIs, sondern im Prinzip alle Arten von Software. Der Witz: Es werden euch auch direkt andere Anbieter angeboten, wenn es welche gibt. Also z.B. wenn ihr Videoeditiersoftware sucht und bei Adobe Premiere Pro landet, stehen darunter gleich Dutzende Alternativen.
- AlternativeTo – Geht in die gleiche Richtung wie der SaaSHub, also eine Softwaredatenbank, ist aber voll auf Crowdsourcing ausgelegt und kostenlos.
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There’s An AI For That – Wie der Name schon sagt eine Datenbank für alle KIs, die so da draußen unterwegs sind. So könnt ihr (relativ) schnell die finden, die für euren aktuellen Einsatzfall relevant ist.
- ContextMinds – Viele von euch dürften sie kennen, die Mindmaps. Diese großen Spinnengewebe, in denen Informationen und Abläufe theoretisch übersichtlich dargestellt werden. Und ContextMinds ist gefühlt das ultimative Tool, um sie (teil-)automatisiert zu erstellen. Dabei nimmt er nicht nur die Informationen, die ihr ihm gebt, er kann auch selbstständig im Netz recherchieren und daraus dann Strukturen bilden.
- Zapier – Hilft euch grob gesagt dabei KIs mit Apps zu verbinden. Ihr baut euch quasi euren Arbeitsablauf, der für die einzelnen Schritte mitunter andere Tools braucht und Zapier hilft euch dabei, sie zusammenzubringen. Echt praktisch und sehr mächtig.
- personeo.ai – Erstellt euch Personas und führt dann Rollenspiele mit ihnen durch. Beispielsweise der wütende Kunde, der anruft oder ein schwieriges Gespräch mit einem Mitarbeiter. Geht sowohl per Chat als auch so richtig live als Telefongespräch. Am Ende gibt das System Feedback. War echt beeindruckend, wie gut das in unseren Tests funktioniert hat.
- pixabay – Hat nicht direkt mit KI zu tun, aber wer kostenlose Stockfotos sucht, die sich (je nach Lizenz) oft recht unkompliziert verwenden lassen, um sie z.B. in ein LLM zu schmeißen, ist hier richtig.
- PhraseExpress – Eine Anwendung zur Textbausteinverwaltung. Also eigentlich gedacht, um z.B. E-Mails schneller zu verfassen. Im Bereich von KI kann man es hingegen als Prompt-Datenbank nutzen.
Das war jetzt eine relativ lange Liste. Aber vielleicht ist ja was dabei, was euch auch weiterhilft.
Epilog
So viel also dazu. Stellt sich sicherlich abschließend die Frage, was sich jetzt durch den Bildungsurlaub in meinem Alltag ändert. Die einfache und ehrliche Antwort: Erstmal gar nichts. Ich vermute, ich werde nicht einmal großartig auf Prompt-Generatoren zurückgreifen, sondern weiterhin größtenteils selbst schreiben. Aber zu wissen, dass es sowas gibt und auch die Vielfalt der sonstigen Toollandschaft erfahren zu haben, war durchaus hilfreich. Da werde ich, wenn ich es dann mal brauche, sicherlich auf das ein oder andere zurückgreifen.







