Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #55

Gerade alles schön grün da draußen.

Machen wir heute mal einen etwas gechillteren Eintrag. Was Einfaches, wo ich nicht viel denken muss. Aber auch kein sinnloses Geblubber. Wie wär’s denn mit einem Statusbericht über unseren Garten? Das letzte Mal ist schließlich schon einige Jahre her. Zugegeben: Es hat sich in dem Sinne auch nichts Großartiges verändert.

Die Alteingesessenen

Schmetterlingsflieder Vladimir geht es immer noch sehr gut, trotz oder gerade, weil wir ihm jedes Jahr ausgiebig den Kopf stutzen. Hildegard, die Himbeere, hat ebenfalls kein Problem damit, dass ich sie im Winter vollständig absäbele und ihre verteilten Kinder mit dem Rasenmäher einsammele. Sie kommt stur immer und immer wieder raus und beschert Lysanda mit kleinen Beeren. Ja, sie hat sie letztes Jahr nicht eingesammelt, weil zu viele Stechmücken unterwegs waren und sie selbst bei kurzen Gartenbesuchen durchlöcherten. Aber vielleicht klappt es ja heuer wieder :smile: .

Der Mandelbaum, Symbol für unsere Wurzeln oder so, hingegen wächst und wächst. Allerdings ein wenig schief. Möglicherweise braucht er also bald mal eine Stütze, damit er nicht abbricht. Vor allem jetzt, wo irgendwie doch mal die ein oder andere Katze darauf herumklettert. Schon interessant, dass es solange keinen gejuckt hat und kaum haben Miro und Ayla ihnen gezeigt, wie es geht, turnen jetzt selbst Jules und Pichu ab und zu drauf rum.

Unser großer Rosmarin sieht zwar am Stamm etwas mitgenommen aus – Jules schärft sich ab und an seine Krallen an ihm. Er hält sich aber wacker. Zusammen mit dem Salbei der älteste Gast in unserem Garten. Die haben wir beide vom Vorbesitzer übernommen. Zwar sah der Salbei zwischendurch mal aus, als wäre er uns weggestorben. Aber jetzt ist er wieder schön groß und üppig.

Selbst die mittlerweile wilden Erdbeeren sind noch da! Sie hatten ihren Plastikhängetopf schon länger hinter sich gelassen und waren von uns ins alte Beet ausgesetzt worden. Frei nach dem Motto: Leben oder sterben. Sie entschieden sich jedoch für eine dritte Möglichkeit und haben sich selbstständig an die Zaunecke unter die Katzenrohre umgesiedelt. Dort leben sie nun schon seit längerer Zeit einfach so vor sich hin und wir lassen sie in Ruhe.

Die Feinde des Balus

Die Umbaumaßnahmen haben begonnen

Es gibt aber auch jemanden, der unseren Garten verlassen musste: Die Minze(n). Ja, alle verschiedenen Varianten haben wir nach und nach verbannt. Der Grund war simpel: Balus Allergie. Sie wurde Jahr für Jahr schlimmer, obwohl Lysanda fleißig die Blüten abschnitt. Deshalb entschieden wir irgendwann, dass es jetzt genug damit ist. Das half Balu, aber seine sommerlichen Symptome waren nie vollständig weg. Den Grund haben wir möglicherweise endlich gefunden, selbst wenn es jetzt zu spät ist. Und zwar gehört der Salbei wie die Minzen ebenfalls zur Familie der Lippenblütler. Also vermutlich reagierte Balu noch auf ihn. Dieser Beobachtung widerspricht allerdings ein wenig der Rosmarin, ebenfalls ein Lippenblütler. Balu lag so oft darunter und schien (zumindest bis zuletzt) keine Probleme damit zu haben.

Zwischendurch hatten wir uns auch mal einen kleinen Pfirsich- und einen Minimandelbaum angeschafft. Die Hoffnung war, dass sie den großen Mandelbaum bestäuben und wir so endlich mal eine Ernte bekommen würden. Leider entschieden sich die beiden Bäumchen erst dazu in einem anderen Takt zu blühen als der Mandelbaum und starben am Ende einfach weg. Vermutlich mangels Pflege und/oder Platz im Pflanztopf.

Heimlich, still und leise hat sich hingegen der Waldmeister im Garten gehalten. Trotz wenig Erde im Pflanzstein und keinerlei Beachtung unsererseits, hat ein kleines Pflänzchen die ganze Zeit überlebt – allerdings nicht  dort, wo wir ihn ursprünglich eingepflanzt hatten. Er ist stattdessen sieben Pötte weitergewandert. Zur Belohnung haben wir ihn jetzt dort richtig eingepflanzt. Mal schauen, ob er jetzt wieder aufblühen wird.

Die Kriterien

Seit dem Wegfall der Minzen waren die 23 Pflanzsteine in unserem Garten also so gut wie leer. Nur der Salbei verblieb an seinem angestammten Platz und der Waldmeister versteckte sich in einem. Ach und urplötzlich schossen letztes Jahr drei Pinne aus dem Boden. Keine Ahnung, ob ein paar Vögel an der Stelle ihr Geschäft hinterlassen hatten oder wie das passiert ist. Laut meiner Pflanzenerkennungsapp (Flora Incognita), soll es sich um Pflaumenbäume handeln. Wenn das stimmt, können die da definitiv nicht auf Dauer bleiben. Aber aktuell lasse ich sie noch fleißig wachsen und schau mal, was passiert.

Sieht schon schicker aus.

Ansonsten blieb es aber vergleichsweise trist auf den 48m². Doch das hat sich nun geändert! Und Schuld daran hat Maya. Nein, sie verhinderte zu Lebzeiten nicht, dass wir uns Pflanzen kaufen. Aber als ich am 1. Mai ihr Grab schaufelte (gesetzeskonform nach §27 Absatz 3 TierNebV, versteht sich) und Lysanda mir dabei zusah, keimte in ihr scheinbar der Wunsch die Lücken endlich mal zu füllen. Also haben wir das gemacht – zumindest nach Abschluss ihrer ausgiebigen Recherche mit Unterstützung von Google Gemini. Wir stellen schließlich nicht nur Ansprüche an unsere Katzen, sondern auch an unsere Pflanzen. Und zwar mussten sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Nicht giftig für Katzen
  • Winterhart/Mehrjährig
  • Halbschatten mögen
  • Mit wenig Wasser klarkommen (wir sind nicht die fleißigsten Gießer)
  • Nicht zu hoch wachsen
  • Insektenfreundlich
  • Schneckenresistent

Außerdem haben wir noch was für zwei extreme Stellen in unserem Garten gesucht: Die zwei Pflanzsteine neben dem “Berg der Schande”, wie wir die Stelle liebevoll nennen. Obwohl wir unseren Maunzern nämlich sowohl ein Katzenklo als auch einen Traktorreifen und eine weitere definierte Stelle im Garten zur Verfügung stellen, hat vor allem Pichu sich dazu entschieden, dass ihm das alles zu doof ist und er lieber trockenen Fußes auf dem Streifen unter dem Terrassendach sein Geschäft verrichtet. Dass es ihm die anderen nachtun, ist logisch. Und die obersten Pflanzsteine grenzen an diese Stelle. Entsprechend musste derjenige, der da einzieht, definitiv äußerst robust sein.

Und besagter Streifen Gras unter der Terrassenabdeckung hat außerdem mit dem Problem zu kämpfen, dass dort auf natürliche Art und Weise kein Wasser hinkommt. Viel Gras wächst da also selbst ohne Katzeneinfluss nicht. Ja, da reduziert sich die Pflanzenauswahl ziemlich stark. Aber wenn in der Wüste welche überleben, dann wird es doch wohl auch was Hartnäckiges für unseren Garten geben!

Schöne bunte Pflanzen

Selbstverständlich alles anständig dokumentiert!

Als der Einkaufszettel stand, sind wir vorbildlich zu unserer lokalen Gärtnerei gedackelt. Was wir dabei nicht bedacht hatten: Jetzt gibt es dort die Sommerlinge zu kaufen und wir hatten scheinbar hauptsächlich Frühjahrs- und Herbstpflanzen ausgesucht. Am Ende (und mit etwas Vor-Ort-Beratung) haben wir aber dann für 62€ doch folgendes eingepackt, was unsere Kriterien zumindest in der Theorie erfüllt:

  • 2x Reiherschnabel in weiß und pink, weil es sie in keiner anderen Farbe gibt.
  • 2x Hauswurz, als besonders hartnäckiges Gewächs in den trockengelegenen Pflanzsteinen. Ich nenne sie Hans Wurst.
  • Gestielte Teppichlobelie, deren Blüten scheinbar gut bei Schnecken ankommen, wie wir leider schon feststellen mussten… Ganz unbedenklich ist sie aber wohl nicht für Katzen. Sie war ein Spontankauf.
  • 2x Teppichphlox in den Farben lila und pink.
  • 6x Purpurglöckchen für die volle Farbabwechslung in lila, etwas helleren lila, gelb und rot.
  • Ein runder Kopf Moos, für den Pflanzstein mit dem wenigsten Sonnenstunden. Wir haben zwar schon so viel Moos im Garten, aber hier breitet es sich hoffentlich optisch schöner aus.
  • Dalmatiner Glockenblume, weil wir schon einmal eine hatten – die uns kläglich weggestorben ist, weil wir den Fehler gemacht haben sie an die Haustür zu stellen. Aus den Augen, aus dem Sinn und so…

Damit waren dann schonmal 16 von 23 Pflanzsteinen gefüllt. Als wir das nächste Mal beim Dehner vorbeigekommen sind, ließen wir dort nochmal 63€ für folgende Sachen:

  • 2x Storchschnabel in der Variante Rozanne und Philippe Vapelle – Nein, ich weiß nicht warum die so komische Personennamen haben.

Und für den erwähnten, furztrockenen “Todesstreifen” landeten diese zwei im Wagen:

Zu guter Letzt haben wir noch ein im Preis reduziertes Windrad zur Vogelabschreckung mitgenommen. Es steckt nun im Traktorreifen, weil es sich da am einfachsten reinstecken ließ.

Die Masse machts

Okay, das sieht grad vielleicht ein wenig wüst aus…

Zwei kleine Thymian-Pflanzen sind freilich nicht genug für einen ca. 6m langen Streifen. Da wir im Laden aber nicht mehr gefunden haben, ging noch eine Onlinebestellung für Sandthymian*-Samen raus. Und weil wir eh schon bestellten: Ausdauerndes Gänseblümchen*-Samen sowie 500g Mikroklee*. Mit denen wollen wir versuchen unseren Garten und unsere Einfahrt wieder etwas dichter zu besiedeln. Haben so Lücken im Gras beispielsweise wegen Ameisen oder eben jetzt, weil ich wegen zwei Katzenbeerdigungen größere Löcher graben musste.

Die Samentütchen fanden wir übrigens ziemlich klein. Keine Ahnung, ob da wirklich 1000-2000 Samen drin waren (wie wird sowas überhaupt gezählt?). Die Gänseblümchen haben wir dann mit dem Mikroklee und etwas Sand vermischt (damit man was in der Hand hat zum auswerfen). Gleiches mit dem Sandthymian, für den ich vorher aber erstmal ordentlich wässern musste. Meine Aussage mit “furztrocken” war absolut keine Übertreibung. Die Erde hat an der Stelle so gut wie gar kein Wasser aufgenommen. Mussten einige Liter für jede aufgelockerte Schicht verbrauchen.

Jetzt heißt es fleißig wässern, die Katzen davon abhalten sich in den Sachen zu wälzen und zu hoffen, dass unser Vorhaben ganz viele schicke Pflanzen zu kriegen mehr Erfolg hat als unsere Gemüseanbauversuche in der Vergangenheit. Und wenn alles so kommt, wie wir das vorhaben, dann wird auch endlich der Berg der Schande Geschichte sein.

Sicarius

Mayas Krankheitsverlauf

Maya chillt an ihrem letzten Morgen im Bett

Da waren es plötzlich und unerwartet wieder nur fünf Katzen…

Es ging leider schnell bergab mit unserer erst zehnjährigen Maya. Keine zwei Wochen vergingen vom ersten Tierarztbesuch (20.4.) bis zu ihrem letzten (30.4.). Hätten wir es früher bemerken können? Keine Ahnung. Und ganz ehrlich: Darüber nachzudenken verursacht nur blödsinnige Schuldgefühle. Zu wissen, dass Maya bei uns eine schöne Zeit hatte, ist viel wichtiger. Geben wir uns trotzdem kurz diesem Gedankenspiel hin:

Mit Felix bin ich damals nichtsahnend zum Tierarzt und dann ohne Katze heimgekommen, weil seine Nierenwerte bereits im Keller waren. Da gab es allerdings bereits vorher Anzeichen, auf die ich nicht reagiert hatte (z.B. stark riechender Sabber).

Bei Maya gab es im Nachhinein betrachtet ebenfalls ein paar Indizien, die wir vielleicht hätten erkennen können. Die ein oder andere morgendliche Übelkeit in den letzten Monaten beispielsweise oder die plötzliche Veränderung des Verhaltens unserer Neuzugänge gegenüber ihr ca. zwei Wochen vor der Diagnose. Während anfangs nämlich Maya Ayla gegängelt hat, drehte sich die Situation von heute auf morgen. Da fingen nämlich Miro und Ayla an Maya zu mobben. Höchstwahrscheinlich haben die beiden da schon gemerkt, dass Maya etwas fehlt. Also zumindest mehr als die omnipräsente Dauerbelastung durch ihren Katzenschnupfen. Zum Selbstschutz grenzen Katzen nämliche kranke Artgenossen aus.

Aus unserer Sicht hatte Maya in der Zeit hingegen nur Probleme mit ihren Augen. Erst mit dem einen, dann – als das nach 1-2 Tagen wieder in Ordnung war – mit dem anderen. Doch auch das heilte genauso zügig von selbst. Wirklich Alarm haben wir hingegen erst geschlagen, als sie am Wochenende (wie immer…) nichts mehr essen wollte. Nur auf Katzensuppe reagierte sie positiv, weshalb wir ihr dann püriertes Futter anboten, was sie auch fraß. Daher dachten wir, dass sie Halsschmerzen haben könnte und gingen montags mit ihr zur Tierärztin.

Schlechtes Blutbild

Das sieht gar nicht gut aus!

Bei der Tierärztin wurde dann sicherheitshalber auch Blut genommen – mit einem grottigen Ergebnis. Der Kreatinin-Wert war schon bei 5,3mg/dL. Das bedeutet sie hatte bereits Stadium 4 von 5 einer akuten Niereninsuffizienz erreicht. Die restlichen Ergebnisse sowie die hämatologische Analyse des Blutes ließen ebenfalls keine Freudensprünge aufkommen.

Die Diagnose und die dazugehörige Behandlung war entsprechend eindeutig: Nierendiät und alles was dazu gehört. Außerdem ließen wir sie direkt da für die erste Infusion. Insgesamt verbrachte sie 3 1/2 Tage am Tropf. Morgens hingefahren, abends wieder abgeholt. Leider war das Blutbild am letzten Tag unverändert schlecht. Stabil – aber eben nicht besser. Parallel hatte die Tierärztin die Zeit am Donnerstag genutzt, um auch noch eine Urin-Analyse durchzuführen. Dort fand sie etwas Blut aber keine Kristalle. Wobei Katzen wohl ganz gut darin sind Kristalle zu verstecken. Insofern war das nur bedingt ein gutes Zeichen. Außerdem war der Blutdruck erhöht (190 mmHg – normal gilt alles unter 150). Sie schickte uns dann zum Ultraschall, um den Zustand der Nieren zu begutachten. Wir bekamen sogar schon am kommenden Montag einen Termin beim Fachtierarzt.

Die nächste Hiobsbotschaft

Maya ging es am Wochenende nach außen hin sogar ganz gut. Sie fraß fleißig püriertes Futter, nahm ihre Medikamente und ging selbstständig aufs Klo. Ja, die meiste Zeit lag sie nur im Bett oder in der Katzenkratztonne. Aber wer es nicht wusste, hätte sie als normale Katze wahrgenommen. Sie hat sogar einmal mit Lysanda am Schreibtisch auf ihre spezielle Art gekuschelt.

Montagvormittag dann also zum Ultraschall – mit der nächsten Hiobsbotschaft. Die Leber hatte einen 2cm breiten, schwarzen Bereich. Für mich sah das auf dem Bild so aus, als wäre ein Drittel der Leber quasi nicht mehr vorhanden. Die Tierärztin sprach von Löchern und ggf. Blutungen. Aber sie sagte auch, dass in Mayas aktuellem Zustand hier grad nichts zu machen ist. Eine OP oder eine andere invasive Untersuchung, um mehr herauszufinden, wäre viel zu riskant für die Kleine. Sie wog zu dem Zeitpunkt schließlich nur noch 2,6kg (ihr übliches Gewicht lag bei 3,2kg) und jede Narkose wäre eine extreme Zusatzbelastung für die Nieren gewesen. Die Tierärztin sprach sogar davon, dass wir damit die Nieren vermutlich komplett abschießen würden.

Maya in ihrem Krankenlager

Und ja, die Nieren waren wie leider erwartet ebenfalls von einer extrem schlechten Beschaffenheit. Es wurden insofern einfach nur die Blutwerte bestätigt. Bei einer Niereninsuffizienz lässt sich nämlich außer stabilisieren und ein angenehmes Restleben ermöglichen nicht mehr viel machen. Wir haben am Ende glaube ich ne gute Stunde mit der Tierärztin geredet (was ich ihr wirklich hoch anrechne!) und alles von oben bis unten durchgekaut. Also Futter, Medikamente, Untersuchungen und so weiter. Mit dem Wissen ausgestattet, sind wir dann wieder nach Hause.

Der Totalabsturz

Dienstagvormittag sah immer noch alles gut aus. Maya aß weiter ihr mit Medikamenten versehenes Nierendiätfutterpüree, trank viel Wasser und ruhte sich aus. Nachmittags fing sie dann jedoch das Erbrechen an. Erst Futter, dann Spucke, dann Galle. Dann flößten wir ihr einen Magenschoner ein, diesen erbrach sie allerdings dann auch wieder. In der Realität war es weniger oft, aber es fühlte sich so an, als würde sie jede Stunde spucken. Lysanda und ich saßen dann bis nachts um eins zusammen und beratschlagten uns (teils unter Tränen), wie wir jetzt weiter machen. Wie können wir ihr jetzt akut helfen? Bringt es was zum Notdienst zu fahren? Und vor allem: Was machen wir kommenden Tag?

Mittwochs hatte sich nämlich unser neuer Chef angekündigt. Wir wollten deshalb ins Büro fahren. Aber es war klar, dass Maya unbedingt zum Tierarzt musste. Entsprechend suchten wir nach einer Lösung. Am Ende haben wir ihn dann zu uns nach Hause eingeladen. Die frühen Morgenstunden gingen zwar drauf etwas sauber zu machen und aufzuräumen, aber am Ende des Tages war es die pragmatischste Lösung. So konnte er dann nicht nur uns, sondern auch gleich mal unsere Realität kennen lernen :smile: .

Ich hab’ dann so früh wie möglich Maya abgegeben und wir warteten darauf, was kommt. Und das war ein Anruf rund 1 1/2 Stunden später: Neues Blutbild und die Werte so stark im Keller, dass der für die Leber schon gar nicht mehr messbar war. Kreatin lag nun bei 10,5mg/dL – also doppelt so hoch und damit war Maya im 5. Stadium angekommen. Der Urea-Wert war ebenfalls angestiegen auf 97mg/dL. Die Tierärztin sagte uns klar und deutlich: Wenn es ihr Tier wäre, würde sie es nun einschläfern.

Die schwierige Entscheidung

Mayas letzter Bluttest

Ganz ehrlich: Für mich war die Sache mit diesem Anruf bereits gelaufen. Ich fuhr zwar los und holte sie ab, aber mehr mit der Absicht sich von ihr zu verabschieden und sie Zuhause einzuschläfern. Ich sah keinen anderen Ausweg mehr für Maya und wollte ihr unnötiges weiteres Leid ersparen. Aus dem Zuhause einschläfern wurde am Ende nichts, allerdings war Maya tatsächlich jetzt mit der neuen Faltbox* sehr umgänglich was das Autofahren anging. Sie störte es mehr in der Box zu sitzen als das eigentliche Fahren. Aber da Lysanda sie immer wieder zwischendurch streicheln konnte, lenkte sie das von ihrem Vorhaben ab auszubüxen. Entsprechend sind wir donnerstags ein letztes Mal mit ihr zu unserer Tierärztin. Zwar war die Praxis wegen dem nahenden Feiertag überlaufen, aber es half nichts. Das Antibrechmittel, was sie ihr tags zuvor gespritzt hatten, würde mittags seine Wirkung verlieren. Und das wollten wir Maya einfach ersparen. Sie hatte seit dem Erbrechen nichts mehr gefressen und nur wenig getrunken. Also warteten wir geduldig bis wir endlich drankamen. Zwei Piekse später lag ihr eingeschlafener Kopf in Lysandas Hand und kurz darauf war es dann auch vorbei. Ein schmerzlicher Moment, der nur dadurch ein wenig gemildert wurde, dass wir uns bereits die Stunden zuvor von ihr ausgiebig verabschieden konnten. Wobei wir allerdings da schon merkten, dass sie gar nicht mehr angefasst werden wollte und nicht mehr schnurrte. Das zeigte uns deutlich, dass sie sich nicht mehr in ihrem Körper wohlfühlte.

Wir haben sie am Ende wieder eingepackt und Zuhause für ihre Mitbewohner hingestellt. Alya war das Ganze nicht wirklich geheuer, die anderen werden auf ihre Art Abschied genommen haben. Tags darauf, am 1. Mai, habe ich sie dann begraben. Leider nicht in ihrem Lieblingsliegeplatz (ein großer Stoffkuschelsack), sondern nur in einem normalen Karton. Aber ich gehe davon aus, dass sie das jetzt nicht sonderlich gestört hat.

Die andere Seite

Die fast täglichen Tierarztbesuche waren das eine. Aber wie sah es Zuhause aus? Nun, die erste Maßnahme war, dass sie die Nacht im Arbeitszimmer und nicht mehr oben bei Lyssi verbrachte. Schließlich mussten wir ihr jetzt Spezialfutter geben. Und auch tagsüber ließen wir ein Katzenklo im Erdgeschoß stehen, um es Maya so einfach wie möglich zu machen. Anfangs hinter einer Tür versteckt, damit Pichu es nicht ständig benutzt. Aber das haben wir recht zügig aufgegeben und es einfach für alle freigegeben. Hauptsache Maya konnte jederzeit auf die Toilette – was sie auch bis zuletzt völlig selbstständig gemacht hat.

In Sachen Futter gab es wie erwähnt Püree mit allerlei Zusatzstoffen. Dazu gleich mehr. Um Maya anzufüttern, haben wir einen Nierendrink* von KATTOVIT verwendet. Dafür gab es keinen speziellen Grund. Es war halt im Laden verfügbar und sie nahm ihn gerne an. In Bezug aufs Nassfutter bekamen wir hingegen vom Tierarzt erstmal eine Dose Nierendiät ausgehändigt. Der Unterschied zwischen solchem Futter und normalem ist der Protein- und Phosphatgehalt. Die Theorie ist wohl, dass eine Eiweißreduzierung helfen würde die Belastung der Niere zu reduzieren. Blöd nur, dass die Entscheidung wohl allein auf einer Studie mit Menschen und Ratten basiert – also omnivore Lebewesen. Katzen sind allerdings Carnivore und benötigen zwingend Eiweiß. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass sie mit Nierendiätfutter zu stark abnehmen. Das wäre bei Maya fatal gewesen. Eine auf Niereninsuffizienz bei Katzen spezialisierte Facebook-Gruppe empfahl deshalb lieber zu hochwertigem aber phosphatarmes Futter (<0,5%) zu greifen. Ein Blick in unser Kellerlager offenbarte dann auch ein paar Sorten mit nur 0,25% und sogar 0,20% wie z.B. die von TastyCat. Wobei es bei einigen Herstellern mal wieder nicht auf der Packung stand und man sich teilweise selbst im Internet einen Wolf sucht. Echt bescheuert.

Der Cocktail

Mayas Medikamente

Die Grundlage von Mayas Mahlzeiten bildete also das Nassfutter, das sie bereits kannte plus hier und da ein Nierendrink. Kommen wir jetzt zu den Zusätzen. Als erstes das, was von unserer Tierärztin alles verordnet wurde:

  • Pronefra – Ein flüssiges Mittel, das in der Hauptsache dazu dient überschüssiges Phosphat im Blut zu binden und so die Nieren zu entlasten. Wohl das allerwichtigste Medikament beim Thema Niereninsuffizienz.
  • SUC-Kombination – Drei flüssige homöopathische Mittel, die immer in Kombination gegeben werden. Und zwar Solidago compositum (Niere), Ubichinon compositum (Stoffwechsel) und Coenzyme compositum (Enzymefunktion). Soll gut für Niere und Leber sein. Obs wirklich was hilft? Keine Ahnung. Schaden tut es aber auch nicht.
  • Sucrabest – Ein Magenschoner. Es bildet einen Schutzfilm über die gesamte Magenschleimhaut, der sie vor aggressiven Verbindungen wie Gallenflüssigkeit und Salzsäure schützt. Das erlaubt es Entzündungen und Geschwüren zu heilen und hilft dabei, dass die Katze ihr Essen drin behält. Wird entsprechend nicht unters Futter gemischt, sondern ca. 30 Minuten vor dem Fressen gegeben.
  • Pankreas – Da auch die Bauchspeicheldrüse entzündet schien, sollten wir Maya das Pankreas-Mittel von nurVet geben, das wir noch von Balu über hatten. Nach dem Gespräch mit der Fachtierärztin haben wir es aber wieder abgesetzt, da im Ultraschall nichts zu sehen war und die Werte noch im Rahmen lagen.
  • Amodip – Als der erhöhte Blutdruck festgestellt wurde, bekamen wir zuerst Amodip als Blutdrucksenker. Allerdings beriet uns auch hier die Fachtierärztin um. Wir sollten aus ihrer Sicht besser Semintra 10mg verwenden. Das hat in der hohen Dosis mit 10mg ebenfalls eine blutdrucksenkende Wirkung und reduziert gleichzeitig die Proteinurie (Eiweißausscheidungen über den Urin). Leider ist Semintra aktuell nirgends lieferbar, weshalb uns als Alternative Fortekor gegeben wurde. Das macht im Prinzip das Gleiche, nur mit einem anderen Wirkstoff.
  • Mirtazapin – Eigentlich ein Antidepressivum für Menschen. Eine der Nebenwirkungen ist aber eine Appetitsteigerung, die bei Katzen besonders ausgeprägt ist. Alternativ kann man auch eine Salbe ins Ohr streichen mit der gleichen Wirkung. Die nennt sich Mirataz.

Maya in ihrem Schlafsack

Es gab sogar noch eine weitere Sache, die wir hätten tun können. Aber aufgrund der Schnelligkeit des Krankheitsverlaufs kam es dann nicht mehr in Frage. Und zwar kann der Tierarzt auch noch subkutane Pockets setzen. Dabei wird ein Flüssigkeitsdepot unter der Haut platziert, was dann über den Tag vom Körper absorbiert wird. Es ist wohl die gleiche Flüssigkeit, wie bei der direkten Infusion und hilft dem Wasserhaushalt. Würde man wohl 1-2 die Woche spritzen. Theoretisch lässt sich das wohl sogar lernen und Zuhause machen.

Eine Katze namens Tanja

Wir sind allerdings noch nicht fertig mit den Zusatzstoffen, die wir Maya gegeben haben bzw. eigentlich geben wollten. Das meiste kam schlicht zu spät (die 1. Lieferung erreichte uns einen Tag vor der Einschläferung) oder ist sogar zum Verfassungszeitpunkt noch nicht im Haus. Insofern ist die untenstehende Auflistung eher informativ. Ob das alles wirklich was bringt, konnten wir schließlich mit Maya nicht mehr testen. Lysanda hat aber sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt – mit Google Gemini als Sparringspartner bzw. zusätzlicher Ideengeber. Dabei war ihre größte Ressource definitiv Tanjas umfassendes Handbuch über chronische Nierenerkrankung (CNE). Wie der Name schon sagt, ist es eine ältere aber immer noch informative Seite rund um das Thema.

Die Autorin, Helen Fitzsimons (der Link führt zur deutschen Übersetzung), hatte unter anderem eine Katze namens Tanja mit einer Nierenerkrankung. Und wie Lysanda hat sie damals angefangen zu recherchieren. Und ihr angesammeltes Wissen hat sie auf einer Webseite bzw. mittlerweile auch in einem 630-seitigen Buch verewigt – das derzeit nur gebraucht verfügbar ist, da sie keine Tantiemen mehr von Amazon erhalten hat. In der kurzen Zeit konnte Lysanda zwar nicht alles durcharbeiten, aber sie hat doch sehr viele nützliche Informationen zum Thema herausziehen können.

Kommen wir aber nun zur Liste:

  • B-Vit complex – Hatten wir uns ebenfalls für Balu ins Haus geholt, allerdings haben wir in der Zwischenzeit gelernt, dass es auch für alle anderen Katzen ganz gut ist. Für Maya haben wir jedoch die Dosierung erhöht, damit sie vor allem mehr Vitamin B12 bekommt.
  • Recovery Renal Tonicum – Sogenanntes Astronautenfutter für Katzen mit Niereninsuffizienz. Die Idee war Maya damit wieder aufzupäppeln und ihr Gewicht wieder nach oben zu bringen.
  • cdvet Singulares Ulmenrinde – Das soll ein pflanzlicher Magenschoner sein. Also ein Ersatz für Sucrabest. Achtung: Unbedingt die Variante mit amerikanischer Rotulmenrinde nehmen (Slippery Elm). Die europäische Version des Produkts ist gegen Durchfall und bildet KEINEN Schleim!
  • Dechra Porus One – Soll urämische Toxine (giftige Abbauprodukte bei der Eiweißverdauung) binden und damit die Niere entlasten. Wirkt wohl auch als Phosphatbinder. Es ist also im Minimum eine Ergänzung zu Pronefra.
  • Renes/equisetum Comp.globuli 20g und Lespedeza Sieboldii D 6 Globuli wurde uns empfohlen, um es abwechselnd zur SUC-Therapie zu geben. Angeblich, damit die Katze sich nicht an das SUC gewöhnt. Wie ich schon oben erwähnte: Keine Ahnung ob da was dran ist, aber es schadet nicht und wenn es nur die kleinste Chance besteht, dass es meiner Katze hilft? Warum nicht.
  • alfavet Hepatosan 700/1600* – Ein pflanzliches Mittel zur Unterstützung der Leber. Ja, die war wie erwähnt ebenfalls schon stark angeschlagen. Im Prinzip sind die Presslinge ein Mix aus Mariendistelsamen, Artischockenblätter und Curcuma. Also alles, was auch einer menschlichen Leber gut tut.
  • Samylin – Im Gegensatz zur Niere kann sich eine Leber tatsächlich wieder erholen. Und dabei soll Samylin helfen. Es enthält den Wirkstoff SAMe, was eine Gluthathion-Vorstufe ist sowie Silybin (kommt aus der Mariendistel) und Vitamin E und C (als Antioxidantien). Wichtig: Das gibt es sowohl als Tablette als auch Beutel mit kleinen Kügelchen. Das Problem an den Tabletten ist, dass man sie im Ganzen schlucken muss. Entsprechend hatten wir uns für die Beutel entschieden, um es einfacher in die Katze zu bringen.

Sieht nach ganz schön viel Kram aus. Aber mit einer Niereninsuffizienz ist halt echt nicht zu spaßen. Es ist eine der häufigsten Todesursachen vor allem bei älteren Katzen. Und der Anblick der Leber im Ultraschall war wie gesagt ebenfalls erschreckend. Insofern wollten wir Maya das komplette Programm bieten, um ihr noch ein paar Wochen, Monate oder gar Jahre angenehme Lebenszeit zu schenken. Dass daraus am Ende nichts wurde… nun, das meiste hält sich ein paar Monate/Jahre und Lyssi, Pichu und Jules sind ja auch schon zehn Jahre alt. Also vielleicht verbrauchen wir es irgendwann noch.

Epilog

Sie war trotz der Schmerzen bis zum letzten Moment ganz Katze.

Was bleibt zum Abschluss noch zu sagen? Nun, da wäre die Anekdote, dass ich ursprünglich schon letzte Woche über Mayas Zustand schreiben wollte. Da sich aber damals Balus Zustand immer weiter verschlechterte, nachdem ich jeweils einen Eintrag über ihn geschrieben hatte, wollte ich das bei Maya nicht auch heraufbeschwören. Aberglaube? Möglicherweise und genutzt hat es offensichtlich ebenfalls nichts…

Die zweite Sache ist sicherlich die Erkenntnis, dass wir von unseren Vierbeinern öfters ein Blutbild machen lassen könnten/sollten. Es wird wohl empfohlen ab dem Alter von acht Jahren jährlich eines zu machen. Dass man damit nicht alles finden wird – vor allem, wenn es wie bei Maya jetzt so rapide schlechter wird -, muss einem allerdings auch klar sein.

Und dann möchte Lysanda euch zum Abschluss noch eine Sache ans Herz legen: Seid euch im Klaren darüber, dass ihr euer Tier höchstwahrscheinlich überleben werdet. Es sind keine Kinder, wo das normalerweise nicht passiert. Entsprechend solltet ihr euch unbedingt Gedanken machen. Nicht nur darüber, was ihr im medizinischen Notfall alles braucht und wo ihr anrufen könnt/hinfahrt. Auch die Frage, was ist, wenn es tatsächlich auf das Ende zugeht, solltet ihr vorab mal durchdenken. Ab wann erlöst ihr euren Begleiter von seinen Leiden? Soll er daheim eingeschläfert werden oder doch lieber beim Tierarzt? Bei unserem Jules z.B. ist schon Blut abnehmen Zuhause purer Stress für ihn. Während er das in der Praxis mit wesentlich weniger Gezeter über sich ergehen lässt. Über sowas denkt man sicherlich nicht gerne nach, aber es nimmt sowohl euch als auch dem Tier viel Stress, wenn ihr bereits einige Antworten parat habt.

Insgesamt hat uns Maya in den zwei Wochen übrigens ca. 1.600 Euro gekostet.

PS: Nein, wir stocken jetzt nicht wieder auf sechs Katzen oder gar sieben auf. Das Universum möchte offensichtlich, dass wir bei fünf bleiben. Und das scheint ja eh schon wütend auf uns zu sein. Also fordern wir es besser nicht gleich wieder heraus :wink: .

Sicarius

Maya (August 2016 – 30.04.2026)

2026, was stimmt mit dir nicht?! Erst im Januar mussten wir Balu überraschend gehen lassen. Und heute Mittag folgte Maya ihm ins Jenseits. Nierenversagen und so schlechte Leberwerte, dass sie nicht einmal mehr messbar waren. Ich kann das echt so langsam alles nicht mehr. Deswegen erzähle ich euch erst am Montag die ganze Geschichte.

Heute möchten wir einfach nur Abschied von unserer kleinen weißen Dame nehmen. Nicht ganz zehn Jahre wurde sie alt. Acht davon durfte sie in der Casa Lysanda verbringen. Sie war 2018 die letzte der “alten Garde”, die ins Haus einzog. Balu war 2016 (mit Nica) der Erste. Von Beginn an chronisch krank (Katzenschnupfen), machte sie doch immer das Beste aus ihrem Leben bei uns. Sie lernte Leckerlis kennen und lieben, konnte stundenlang mit einem roten Punkt spielen, entschied sich dazu lieber eine Hauskatze zu sein als in den Garten zu gehen und ließ sich selbst vom heftigsten Niesanfall nicht davon abschrecken ihr tägliches Dasein zu genießen. Bis zum Ende hin war sie eine neugierige und quirlige kleine Katze (durchschnittlich 3kg), die zwar nicht offiziell die Chefin im Haus war, sich aber durchaus hin und wieder so aufführte – zum Leid von Balu.

Es war wunderschön, dass wir sie auf ihrer Reise ein großes Stück begleiten durften. Und wo auch immer sie jetzt ist: Ihre Erinnerungen verbleiben bei uns und werden niemals verblassen. Nur die Rotzflecken auf den Wänden kann ich jetzt vielleicht doch mal überstreichen…

Bis wir uns wiedersehen, liebste Maya.

Maya, das kleine große Energiebündel

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